Montag, 30. Juni 2008
Am letzten Wochenende hatte ich mich kurzfristig bei Christian eingeladen, da ich nicht den gesamten Samstagabend alleine verbringen wollte. Wir schauten uns zusammen "I Am Legend" an, einen mittelmäßig düsteren Endzeitfilm, in dem Will Smith in New York versucht, die Welt zu retten. Der Film ist nicht schlecht, doch es gelingt ihm nicht so recht, den Zuschauer einzufangen in der dunklen Dystopie und ihn in die vertrackte Lage hereinzuziehen.
Gänzlich anders verhält es sich mit einem Low-Budget-Juwel, das mir Christian am selben Abend noch wärmstens empfahl: "Overclocked". Es spielt sich wie eine Mischung aus Monkey Island und dem Film Memento,vornehmlich weil einer der Charaktere mit der Stimme von Norman Matt zum Leben erweckt wird (Guybrush Threepwood in Monkey Island 3 und 4); zum Memento-Teil später mehr. Die Grafik ist vielleicht ein wenig angestaubt, wartet aber mit zeitgemäßem 3D-Huppi-Fluppi und animierten Zwischensequenzen auf. Dennoch: die simple Spielmechanik lässt einen über eventuelle Abstriche bei der Technik (da wären zum Beispiel die etwas groben, unbeholfenen Figurenbewegungen) locker hinwegsehen. Die sehr atmosphärisch in Szene gesetzte Welt profitiert von einem kühlen, zurückhaltenden, aber sehr effektvollen Soundtrack, der sich hauptsächlich auf einfache Klavieruntermalung beschränkt, damit aber die entscheidenden Akzente setzt. Weniger ist eben manchmal mehr, um mal eine Phrase auszupacken. Wir befinden uns im Jahr 2007 und die skizzierte Gegenwart wirkt glaubwürdig, kaum überzeichnet oder in Klischees verhaftet. Als der Psychiater David McNamara werden wir zu einem besonders kniffligen Fall, genau genommen, fünf solcher Fälle in das Staten Island Mental Ward gerufen. Die Handlung spielt also wie im eingangs erwähnten Film ebenfalls in New York. Dort finden wir drei Jungen und zwei Mädchen, die alle mit der Erstdiagnose "Posttraumatisches Stress-Syndrom" eingeliefert wurden, nachdem sie an verschiedenen Orten innerhalb New Yorks aufgelesen wurden. Von Beginn an begegnet McNamara kalte Ablehnung, sei es von seinen neuen Kollegen, mit denen er sich arrangieren muss, oder aber die ungewöhnlich kühle Art seiner Freunde. In der Nervenheilanstalt, einem Haus, das seit den 50er Jahren keinen Tropfen neuer Farbe mehr gesehen hat, versucht er, Stück für Stück die Erinnerungen seiner fünf Patienten auszugraben. Das gelingt ihm zusehends, doch jeder Fortschritt, den er in Richtung Genesung der Patienten macht, wird von einem beruflichen oder privaten Unglück überschattet. Seine persönliche Lage wird von Tag zu Tag desolater und sein Leben scheint über ihm zusammenzubrechen. Mit jedem Versuch, etwas zu richten, fällt nur noch mehr in Scherben. McNamara droht zusehends die Kontrolle zu verlieren. Beeindruckt hat mich an Overclocked der konsequente Verzicht auf irrwitzige Effekte und Augenwischerei. Die Geschichte entwickelt sich durch eine sehr gelungene Erzählweise und die sich verdichtende Atmosphäre. Die Hintergründe der Patienten erfährt man in Rückblenden, in denen man auch die Kontrolle über ihre Erinnergunen übernimmt. Stück für Stück rollt sich der gedankliche Teppich wieder aus und es wird die eigentliche Geschichte aufgedeckt. Abstriche gibt es dann wieder gegen Ende: Spätestens zu Beginn des letzten Viertels dämmert einem die Auflösung der offenen Fragen und die Überraschungen bleiben vollständig aus. Schade, dass hier viel Potenzial verschenkt wurde, aber dennoch lobenswert ist das innovative Spielkonzept und die hochkarätige Besetzung der Figurenstimmen. Auch wenn es nicht viel zu Rätseln gab und die Komplexität des Adventures eher an Ragnar Tornqvists letztes Werk (Dreamfall) erinnert, denn an die teils kniffligen Rätsel von Gilbert/Schafer/Grossman (Monkey Island). Ganz ähnlich wie BioShock fehlt es an Tiefe und der Konsequenz im Detail für ein richtig, richtig gutes Spiel. Trotzdem: Overclocked ist ein Genuss für zwei, drei Abende, an denen man eintauchen kann in eine spannend erzählte Geschichte und vielleicht auch einmal mit dem Kopf voller Gedanken ins Bett geht. So schafft ein kleines, deutsches Indie-Game, was Hollywood nicht gelingt. Bravo!
Freitag, 27. Juni 2008
Larry the Cow ist zwar weder Kollege noch Kunde, aber dafür das Maskottchen meiner Lieblings-Linux-Distribution Gentoo Linux, die auch unter der Haube von Rinux läuft. Nun trug es sich zu, dass auch der letzte mir schutzbefohlene Rechner, der bislang unter FreeBSD lief und einer (eher harmlosen) Taschenausgabe des Teufels frönte, die Umschulung zum Kuh-/Pinguin-Anhänger absolviert hat. Auf Deutsch: Mein kleiner File- und Sonstiges-Server zu Hause läuft nun auch unter Gentoo. Den Grund hat Christian eigentlich ganz gut beschrieben, aber auf den Thread bin ich leider erst zu spät gestoßen. Das Problem war, dass der Laserdrucker (Epson AcuLaser AL-C1100) auf einmal den Dienst versagte und ich einfach am Ende meines Lateins angekommen den Entschluss gefasst habe, auf ein vertrauteres System zu setzen. Es ist nicht so, dass ich mich mit FreeBSD nicht auskenne, aber ich fühle mich unter Gentoo einfach inzwischen weitaus mehr zu Hause. Es ist schwer zu fassen, woran es liegt, aber viele Dinge sind unter Gentoo in meinen Augen einfach konsequenter, einfacher und weniger frickelig gelöst. Dazu kommt, dass ich nun schon einige Zeit Erfahrung mit dieser Distribution im Server-Einsatz sammeln konnte und somit am vorletzten Wochenende den Umstieg nahezu vollständig durchführen konnte. Das dringlichste Problem konnte ich auch schon lösen: Es druckt wieder! Mein einziger unbesiegter Dämon ist das elendige IP-Routing unter Linux, weshalb ich kurzerhand alle Routing-Aktivitäten der Fritz!Box übergeben habe. Das war unter FreeBSD wahrlich einfacher mit nur einer rc.conf-Direktive. Auf der anderen Seite sehe ich nun, dass der Server in kürzester Zeit hoch- und runterfährt und damit sogar meinen Vista-basierten Hauptrechner schlägt. Legen wir auf diesen Stapel der erledigten Dinge noch die kürzlich eingebaute Lüftersteuerung für den Rechner, die ihn in Zukunft hoffentlich vor dem Hitzetod bewahrt (beide Lüfter-Versorgungskanäle sind vor einiger Zeit scheinbar zeitgleich ausgefallen). Es bleibt das wohlige Gefühl, eine Baustelle beseitigt zu haben und ein gut funktionierendes, abgestimmtes System zu haben.
Dienstag, 24. Juni 2008
Mit dem neuen Job kam auch die Notwendigkeit, einen nicht im Stadtgebiet Dortmund gelegenen Arbeitsort täglich gut erreichen zu können. Aus meiner Studienzeit kenne ich die Bahnverbindung nach Nordbögge sehr gut und habe mich dagegen entschieden, mit "den Öffentlichen" zur Arbeit zu gelangen. Also stand ich vor der interessanten Frage, woher ich innerhalb weniger Wochen ein Auto herbekommen kann. Dabei fiel die Wahl nicht schwer: Schnell war der Wagen im Online-Konfigurator zusammengeklickt und im smart-Center angerufen, ob ich ein ähnliches Modell kurzfristig bekommen könnte. Kurzum: alles hat gut gepasst und ich habe seit dem 28. Mai nun meinen smart fortwo, Modelljahr 2007. Mein ehemaliger Mitbewohner Christian hat sich auch prompt bereit erklärt, ein paar schöne Fotos vom neuen Familienmitglied zu machen und ich habe es endlich geschafft, diese online zu stellen. Seit es den smart gibt und eigentlich schon davor, fand ich dieses Auto genial im Prinzip und toll in der Ausführung. Praktisch, wendig, einzigartig befördert es mich nun jeden Tag hin und her und sorgt dafür, dass mit mir nicht noch ein großes Geschoss mit vielen leeren Sitzen und auch ansonsten viel freiem Platz tagein, tagaus mit nur einer Nase vorne links durch die Gegend fährt. Wenn es eine statistische Gerechtigkeit gibt, dann sollte ich jetzt auch relativ lange Ruhe haben vor Reifenpannen. Am letzten Wochenende, auf dem Weg zu Freunden, machte es nach dem Parkieren vor der Hütte der Bekannten *pffffffff*. Der smart war in einen Nagel getreten und hat sich seinen Schuh kaputt gemacht. Mit dem Abschleppen zum smart-center hat sich dieses Jahr die Mitgliedschaft im ADAC leider schon gelohnt.
Sonntag, 22. Juni 2008
Die meisten mir nahe stehenden Menschen wissen es schon seit etwa einem Monat. Einige andere, denen ich es noch nicht direkt gesagt habe, wissen es vielleicht aus meinem XING-Profil: Ich habe mein Promotionsvorhaben abgebrochen und habe mich in die Wirtschaft verdrückt, um dort mein Glück als Software-Entwickler zu versuchen. Seit dem 1. Juni arbeite ich also in der Forschung und Entwicklung für die WestfaliaSurge GmbH, einem "der beiden größten Hersteller von Melktechnik" weltweit ( Wikipedia). Der Start in den neuen Job ist wunderbar gelungen. Die größte Sorge, die ich hatte, hat sich auch als unberechtigt herausgestellt, denn die Kollegen am neuen Arbeitsplatz sind zwar im Schnitt deutlich älter als bisher, aber ziemlich genau gleich nett.  Es hat sich zudem gezeigt, dass es von Vorteil war, schon einmal in einem maßgeblich von einem Unternehmen gesteuerten Forschungsprojekt dabei gewesen zu sein, denn die Erfahrungen aus der SHADOWS-Welt lassen sich zu einigen Teilen direkt weiterverwerten. Leider werde ich nicht viel über meine Arbeit bloggen können, da erwartungsgemäß Verschwiegenheit bezüglich des Erarbeiteten und Gesehenen vereinbart wurde. Insgesamt habe ich wieder etwas mehr Zeit zur Verfügung, außerhalb der Arbeitswelt spannende Dinge zu tun (siehe Existenz dieses Blog-Posts). Ich will auch hier noch einmal allen meinen Kollegen am Lehrstuhl für eine tolle Zeit danken und euch viel Erfolg wünschen, egal wie ihr euren weiteren Weg gestalten werdet.
Samstag, 21. Juni 2008
Ich weiß nicht, ob es anderen auch so geht, aber in meiner Kindheit gab es Leute, die Sätze zu mir gesagt haben, die sich auf ewig in mein Gehirn gebrannt haben. Wenn man auf diese Sätze zurückblickt, wünscht man sich, etwa wie in der Fabelhaften Welt der Amélie, einen Souffleur gehabt zu haben, der einem die passende Entgegnung hilfreich servieren hätte können. Ich will mal zwei Beispiele geben. "Das hab ich mir schon gedacht. So viele Sachen hättest du dir ja auch nicht merken können." sagte noch zu DDR-Zeiten eine Grundschullehrerin zu mir. Diese Person hatte auch andere Einfälle parat. So etwa eine alleinstehende Tafel im Klassenraum, auf der die ersten zwei oder drei Buchstaben der Vornamen jedes Schülers zu lesen waren, wahlweise in weiß (schlecht) oder rot (gut). Es handelte sich dabei quasi um eine verschärfte Form der Kopfnoten (die wir damals natürlich auch hatten), in diesem Fall "Betragen". Die Namenskürzel konnten wahlweise noch um bis zu zwei Striche in der jeweiligen Farbe ergänzt werden, um das gute oder schlechte Betragen noch deutlicher zu brandmarken. Sammelte man einen dritten Strich auf, gab es eine gute (rot) oder schlechte (weiß) Note. Zurück zu obigem Satz: Diesen sagte sie, als sie mich beim Einkaufen in der örtlichen Kaufhalle antraf. Für DDR-Unkundige: Das war so etwas wie ein Supermarkt, nur dass die Verpackungen nicht so bunt waren und das Wort super noch nicht erfunden war. Sie sagte den Satz, nachdem sie meine Mutter bemerkt hatte und brachte damit unmissverständlich zum Ausdruck, dass alleine einzukaufen unmöglich zu meinen Fähigkeiten zählen konnte. Auf die Idee, dass selbst ein achtjähriger Junge einen Einkaufszettel dabeihaben könnte, schien sie nicht gekommen zu sein. Der zweite Satz, den ich hier nennen will, stammt aus meiner Fahrschulzeit. Mein Fahrlehrer, sonst ein gemütlicher Typ, der während unsere Fahrten liebend gern die Aktienkurse im Radio hörte und seine Sätze gerne mit "wa hö hm?" abschloss, fuhr das erste mal mit mir zur Tankstelle und ließ mich tanken. Ich stieg also aus und öffnete den Tankklappe, schraubte den Deckel ab und suchte nach einer Ablagemöglichkeit. Beim VW Passat muss(te) man den Deckel oben auf die Klappe stecken, wofür zwei Schlitze im Deckel zur Verfügung staden. Ich fand diese Möglichkeit jedoch nicht binnen zwei Sekunden, was ihn zu der Bemerkung veranlasste: "Na handwerklich hastet aber nich so, wa hö hm?". Noch heute wünsche ich mir, in diesen Momenten eine passende Entgegnung parat gehabt zu haben. Rückblickend ärgert mich hauptsächlich, wie sehr diese Personen eine vorschnelle Einschätzung trafen. Sie strotzen vor Arroganz und Herablassung, im zweiten Fall fällt der Satz sogar auf den Sprecher zurück. Wie armselig, über jemand anderen zu spotten, wenn dieser etwas nicht sofort begreift, womit man selbst seit Jahr und Tag zu tun hat und diesen Vorsprung deutlich zeigen muss.
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