... so heißt es auf einem Transparent bei den aktuellen Protesten zur Situation der Studierenden an den Universitäten. Das erfasst natürlich nur einen kleinen Teil der Probleme, in denen die Studierenden in unserem Land stecken, aber es ist eine originelle Forderung.
Unabhängig von den konkreten Umständen und der Uneinigkeit darüber, ob die beiden Parteien Hochschulrektorenkonferenz und Studierendenschaft nun miteinander reden oder nicht: Ich bin sehr beeindruckt davon, dass die Studis es geschafft haben, auf die Titelseiten und mehrere Tage hintereinander in die Fernsehnachrichten zu kommen, zuweilen sogar als Top-Thema. Dabei geht es mir weniger um die Tatsache, dass sich die Medien dafür interessieren und dem Thema überhaupt so viel Bedeutung beimessen, sondern viel mehr darum, dass durch diesen andauernden Ausdruck des Unmuts über die Situation der (Hochschul-)Bildung in Deutschland überhaupt erst wahrgenommen wird, was da an unseren Hochschulen und mit dieser Generation passiert.
Dass die aktuellen Proteste auch noch in Leipzig stattfinden, wo vor 20 Jahren der Weg zur deutschen Einheit begann, ist umso passender. Auch heute fordern die Studierenden eindringlich, aber friedlich eine Verbesserung ihrer Studienbedingungen. Wer studiert hat, weiß, wie wichtig gute Studienbedingungen sind, um in dieser sehr stressigen und Kräfte zehrenden Zeit obenauf zu bleiben. Und ich spreche hier nicht von in meinen Augen sinnlosen Initiativen wie "Notebooks für alle". Es geht um das Betreuungsverhältnis, um die ausreichende Verfügbarkeit von Literatur und den Zugang zu Veröffentlichungen, das Miteinander und die Möglichkeit, auch noch das Privatleben mit dem Studium unter einen Hut zu bringen.
Schon jetzt kann ich die rollenden Augen von "den Leuten im Arbeitsleben" sehen. Aber ich bin ja inzwischen selbst so jemand. Ich rolle aber nicht mit den Augen, denn ich weiß, was es in dieser Zeit bedeutet, ein Studium erfolgreich abzuschließen; und ich hatte es noch vergleichsweise gut dabei. Natürlich ist das Studentenleben anders als das Arbeitsleben. Natürlich stehen viele Studenten nicht um 7 Uhr auf. Aber Studenten haben nicht frei, wenn sie wieder zu Hause ankommen. Dann geht für viele der zweite Arbeitstag los: Nachbereiten, vorbereiten, recherchieren, lernen, oder tatsächlich irgendwo arbeiten, um noch was im Kühlschrank zu haben. Und so etwas wie "Semesterferien" ist auch nicht jedem vergönnt. Ich habe während meines Studiums zwei mal zwei Wochen Urlaub gemacht. Die meiste Zeit über, wenn "vorlesungsfreie Zeit" herrschte (wie es richtig heißt), war ich mit Prüfungsvorbereitungen beschäftigt. Es bleibt sicher auch immer mal wieder Zeit zum Feiern (am Besten nach bestandenen Klausuren), aber eine ruhige Kugel schiebt sich anders.
Ich bewundere die, die heute auf die Straße gehen und ihr Recht auf freie und gute Bildung einfordern. Ihr tut das Richtige!
Im Übrigen hätten die Eltern sicher auch nichts gegen eine Umsetzung der oben genannten Forderung auf dem Transparent. Aber das ist eine andere Geschichte.